Nico hat dank des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) ein unvergessliches Jahr in den USA verbracht. Das PPP ist ein Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages und des US-Kongresses, das Schülerinnen und Schülern sowie jungen Berufstätigen einen einjährigen Austausch in den USA ermöglicht. Wir haben ihn zu seinen Erlebnissen in Hanoverton, Ohio, befragt.
Nico, erzähl uns doch mal, wie sah dein Alltag in Hanoverton aus?
Mein Tag begann etwas so wie hier, gegen 6:30 Uhr. Danach ging es zur United Local High School, wo der Unterricht bis etwa 14:30 Uhr dauerte. Ab 15 Uhr stand dann täglich Footballtraining auf dem Programm, das ging so bis 17:00 oder 17:30 Uhr. Anschließend war oft noch Zeit für das Fitnessstudio und wenn ich tagsüber keine Zeit für die Hausaufgaben hatte, musste ich die noch abends machen. Am Wochenende gab es am Freitagabend immer ein Footballspiel und am Samstagmorgen dann eine Spielbesprechung. Danach habe ich mich oft mit Freunden getroffen oder ich habe Ausflüge oder Kurztrips mit meinen Gasteltern unternommen, mit denen ich mich wirklich fantastisch verstanden habe.
Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Alexander Föhr, der dein Stipendium ermöglicht hat, fragt dich jetzt: "Was ist die eine Sache, die ich über die USA und die Menschen dort lernen muss, um sie wirklich zu verstehen?" Was würdest du ihm antworten?
Ich würde ihm sagen, dass die Menschen dort unglaublich herzensgut und offen sind. Man grüßt sich zum Beispiel auf dem Bahnsteig, auch wenn man sich nicht kennt, und freut sich wirklich, den anderen zu sehen. Was man vielleicht lernen muss, ist den Unterschied zwischen einem oberflächlichen „How you're doing?“ und einer ernstgemeinten Nachfrage zu erkennen. Da hilft aber Augenkontakt ganz gut. Nach ein paar Wochen hat man das raus.
Gab es einen Moment, in dem du dachtest: "Das ist so amerikanisch, das hätte nur hier passieren können"?
Absolut! Das war definitiv bei den Footballspielen am Freitagabend. Da ist die komplette Schule im Stadion, die Familien sind dabei, Freunde – einfach alle. Die Stimmung ist absolut einzigartig und kaum zu beschreiben. Man spürt einen unglaublichen Zusammenhalt und eine riesige Begeisterung. Die ganze Gemeinschaft fiebert mit ihrem Team mit, die Cheerleader heizen ein, die Marching Band spielt – das ist ein echtes Spektakel und ein unvergleichliches Erlebnis.
Welche deutsche Gewohnheit hast du am meisten vermisst?
Am meisten vermisst habe ich die deutsche Pünktlichkeit und unseren ÖPNV. In den USA ist man da viel mehr auf das "Familientaxi" angewiesen, da es kaum öffentliche Verkehrsmittel gibt. Was ich auch weniger gut fand, war, dass das schulische Niveau manchmal etwas niedrig war, je nachdem, welche Kurse man belegt hat, das war teilweise etwas langweilig.
Wenn du deinem "Ich" vor einem Jahr, kurz vor der Abreise, einen Tipp geben könntest, der über „Pack genug Adapter ein“ hinausgeht – was wäre das?
Mein Tipp wäre ganz klar: "Sag zu allem Ja und nimm so viele Erfahrungen mit, wie du nur kannst!"
Nach einem Jahr an einer amerikanischen Schule: Was schätzt du rückblickend am Schulalltag hier bei uns am PGW besonders, was dir vielleicht vorher gar nicht so bewusst war?
Ich schätze die engere Klassengemeinschaft bei uns. An der Highschool gibt es dort eher Kurse, was den Stufenzusammenhalt größer macht, aber nicht unbedingt den Klassenzusammenhalt. Und ganz ehrlich: Unsere Mensa ist um Welten besser!
Was waren die Highlights deines Aufenthalts dort?
Ein großes Highlight war definitiv, als der amerikanische Leichtathlet Tyson Gay, der schnellste Amerikaner der Welt, einmal zum Training kam – das war sehr beeindruckend. Auch die Urlaube mit meinen Gasteltern in Florida und den Südstaaten waren unvergesslich. Und von der Organisation des PPP wurde ein Ausflug nach Washington D.C. organisiert, inklusive eines Besuchs des Kapitols und eines Treffens mit Abgeordneten.
Würdest du anderen Schülern empfehlen, sich auch für das PPP zu bewerben?
Auf jeden Fall, bitte unbedingt machen! Es ist eine einmalige Chance!


