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Vom Wissen zum Machen

Vom Wissen zum Machen

In Zukunft wird weniger entscheidend sein, was wir wissen, sondern was wir mit unserem Wissen anfangen können. Informationen sind jederzeit verfügbar, in Sekundenschnelle abrufbar und werden zunehmend von künstlicher Intelligenz verarbeitet. Umso wichtiger werden die Fähigkeiten, relevante Probleme zu erkennen, die richtigen Fragen zu stellen, kreative Lösungen zu entwickeln, im Team zu arbeiten und auch unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.

Während der Rest der Schule am Dienstag, dem 28. Juli 2026 am FiF-Tag teilnahm, erhielt die K1 ein eigenes Programm. Robin Rahn, Sven Büttner, Filip Kurscewski und Corinna Schäfer hatten einen intensiven Workshoptag rund um Entrepreneurship entwickelt – nicht als klassischen Unterricht, sondern als praktischen Sprint vom Denken ins Handeln.

Zu Beginn stand die Frage im Mittelpunkt, wie wir auf Herausforderungen reagieren, deren Lösung noch nicht feststeht. Warten wir auf vollständige Sicherheit oder sind wir bereit, etwas auszuprobieren, Feedback anzunehmen und unsere Strategie zu verändern? Ein Growth Mindset bedeutet nicht, jedes Ziel allein durch größere Anstrengung erreichen zu können. Es bedeutet, lernfähig zu bleiben und nach einem Rückschlag einen besseren nächsten Versuch zu entwickeln.

Wie anspruchsvoll das im Team werden kann, zeigte die Spaghetti Challenge. In kleinen Gruppen galt es, aus Spaghetti, Klebeband, Schnur und einem Marshmallow innerhalb von 18 Minuten einen möglichst hohen freistehenden Turm zu bauen. Ideen mussten abgestimmt, Rollen gefunden, Konstruktionen getestet und Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden. Dabei zeigte sich: Teamarbeit ist keineswegs „easy peasy“. Sie ist anstrengend, komplex, manchmal konfliktreich und nicht automatisch effizient. Zugleich ist sie bei anspruchsvollen Problemen unverzichtbar. Über das Ergebnis entscheidet nicht nur die Kompetenz Einzelner, sondern vor allem die Qualität der Zusammenarbeit: Wer wird gehört? Wie wird entschieden? Wann wird getestet? Und wie reagiert das Team, wenn der erste Plan scheitert?

Statt sofort Produkte, Apps oder Unternehmensnamen zu erfinden, sammelten die Schülerinnen und Schüler anschließend reale Pain Points aus ihrem Alltag: Was ist unnötig kompliziert, langsam, teuer, frustrierend, unfair oder verschwenderisch? Auf einer großen Post-it-Wall wurden die Beobachtungen geordnet und priorisiert. Die wichtigste Regel lautete: Noch keine Lösung formulieren. Eine gute Idee beginnt nicht mit einem Produkt, sondern mit einem relevanten Problem und einer konkreten Zielgruppe. Erst wer eine Situation genau versteht, kann eine Lösung entwickeln, die über eine spontane Vermutung hinausgeht.

Einen praxisnahen Blick in die Start-up-Realität bot dann der Expertenvortrag von Patrick Hübner, der seinen persönlichen Erfahrungsschatz mit der Kursstufe teilte. Im Mittelpunkt stand das Prototyping: Ideen früh sichtbar machen, testen und anhand realer Rückmeldungen weiterentwickeln. „Fails & Fuck-ups“ wurden dabei nicht romantisiert, sondern als häufig notwendiger Teil dieses Prozesses verstanden. Wer Neues entwickelt, arbeitet mit Annahmen, von denen sich einige als falsch erweisen werden. Entscheidend ist, kritische Annahmen früh zu überprüfen, Fehler klein zu halten und daraus konkrete Konsequenzen abzuleiten. Scheitern wird erst wertvoll, wenn es die nächste Handlung verändert.

Nach der Mittagspause begann der eigentliche Solution Sprint. Jedes Team wählte einen Pain Point aus, schärfte dessen Kern und entwickelte verschiedene Lösungsansätze. Ideen wurden geprüft, kombiniert, verworfen und weitergedacht. Entscheidend war nicht allein ihre Originalität, sondern ihr konkreter Nutzen: Eine gute Lösung musste für die Zielgruppe einen erkennbaren Mehrwert schaffen, grundsätzlich umsetzbar und durch einen ersten realistischen Test überprüfbar sein. Mithilfe eines vereinfachten Business Model Canvas klärten die Gruppen, für wen ihre Lösung gedacht ist, wie sie funktionieren könnte und welche Annahme zuerst getestet werden müsste. Unter deutlichem Zeitdruck entstanden konkrete Konzepte, erste Prototypen und unterschiedliche Pitches.

Die abschließenden Präsentationen fanden bewusst ohne digitale Unterstützung statt. Statt PowerPoint oder Canva nutzten die Gruppen Lego, Pinwände, Post-its, Whiteboards und Flipcharts. Sie mussten ihre Ideen frei erklären, auf das Wesentliche reduzieren und auf Rückfragen reagieren. So wurde schnell sichtbar, ob Problem, Lösung und Mehrwert tatsächlich verstanden worden waren.

Der Entrepreneurship Sprint zeigte, dass gute Ideen selten fertig entstehen. Sie entwickeln sich durch genaue Beobachtung, Zusammenarbeit, frühes Ausprobieren, ehrliches Feedback und die Bereitschaft, den eigenen Ansatz zu verändern. Denn Zukunftskompetenz zeigt sich nicht darin, auf jede Frage sofort eine fertige Antwort zu kennen. Sie zeigt sich darin, mit offenen Situationen umzugehen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und den Mut zu haben, aus einer Idee einen ersten konkreten Schritt zu machen. Der Workshop hat dafür einen Erfahrungsraum geschaffen – praxisnah, fordernd und mit spürbarer Energie.