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Selbststeuerung, KI und Sprache im Wandel

Selbststeuerung, KI und Sprache im Wandel

Während für den Großteil des PGW die von uns ausgerichteten Bundesjugendspiele auf dem Programm standen und parallel die mündlichen Abiturprüfungen stattfanden, wurde für die K1 ein eigenes Sonderprogramm gestaltet. Was zunächst als „Ersatzprogramm“ geplant war, entwickelte sich zu einem intensiven Zukunftstag mit drei Impulsvorträgen, viel Raum für Fragen, Austausch und Diskussionen.

Unter dem Motto „Zukunftskompetenzen und -technologien“ standen Themen im Mittelpunkt, die für unsere angehenden Abiturientinnen und Abiturienten sowohl im persönlichen Alltag als auch mit Blick auf Studium, Ausbildung und Beruf zunehmend an Bedeutung gewinnen. Organisiert von Robin Rahn und unterstützt durch Neven Wenger wurde der Musikraum kurzerhand zum Plenumssaal umgebaut, sodass der Zukunftstag pünktlich um 9:30 Uhr mit einer kurzen Einführung beginnen konnte.

Den ersten Beitrag gestaltete Frau Dr. Nele Göpfert, die an unserer Schwesterschule, dem PGS, als Koordinatorin für Psychosoziale Ressourcen die Beratung leitet. Ihr Vortrag stand unter dem Titel „Fremdsteuerung vs. Selbststeuerung“ und nahm die Schülerinnen und Schüler mit in die Wirkmechanismen digitaler Anwendungen und sozialer Medien. Dabei ging es um digitale Trigger, unbewusste Abhängigkeiten, psychosomatische Auswirkungen und die Frage, wie stark unser Verhalten durch Apps, Plattformen und permanente Reize beeinflusst wird.

Im zweiten Teil ihres Vortrags stellte Frau Dr. Göpfert konkrete Techniken und Strategien vor, mit denen man diesen Mechanismen bewusster begegnen und wieder mehr Selbststeuerung entwickeln kann. Im Anschluss entstand eine angeregte Diskussion, in der vor allem die Frage im Raum stand, was eigentlich ein „normaler“ Umgang mit Handy, Bildschirmzeit und Social Media ist. Viele Nachfragen zu Zahlen, Daten und Studien zeigten, dass das Thema bei der K1 auf deutlich größeres Interesse stieß, als es auf den ersten Blick vielleicht zu erwarten gewesen wäre.

Als zweiten Referenten konnten wir Nico Hemker gewinnen, Geschäftsführer und Gründer einer IT-Beratung, die KI-Modelle in Unternehmen unterschiedlicher Größe implementiert. Er berichtete sehr praxisnah davon, wie Künstliche Intelligenz in Unternehmen heute genutzt werden kann – und vor allem, unter welchen Bedingungen sie genutzt werden darf. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der datenschutzkonformen Anwendung von KI, die in der betrieblichen Realität deutlich komplexer ist, als viele vermuten.

Darüber hinaus erläuterte Nico Hemker, in welcher Form KI bereits heute als Agent, Assistenzsystem oder eine Art digitaler Mitarbeitender eingesetzt wird. Besonders spannend war dabei der Gedanke, dass auch KI-Systeme nicht einfach „funktionieren“, sondern – ähnlich wie echte Mitarbeitende – geführt, trainiert, überprüft und weiterentwickelt werden müssen. Daraus ergeben sich neue Aufgabenprofile und Verantwortlichkeiten, die in Zukunft immer wichtiger werden dürften.

Auch im Anschluss an diesen Vortrag entwickelte sich eine rege Diskussion. Die Schülerinnen und Schüler interessierten sich besonders dafür, wie sie selbst schon heute mit KI umgehen sollten, welche Kompetenzen sie dafür brauchen und wie moralisch vertretbar es ist, KI-Lösungen zu entwickeln und zu verkaufen, wenn diese möglicherweise Arbeitsplätze realer Mitarbeitender verändern oder ersetzen. Die Antwort darauf fiel bewusst differenziert aus: KI wird Arbeit verändern, beschleunigen und an manchen Stellen ersetzen, zugleich aber auch neue Aufgaben, neue Berufsbilder und neue Formen von Verantwortung schaffen. Arbeit verschwindet nicht einfach durch KI – sie verändert sich.

Ein zentraler Hinweis blieb dabei besonders hängen: Wer in Zukunft souverän mit KI umgehen will, muss sich jetzt intensiv damit beschäftigen. Ausprobieren, Fehler machen, Grenzen erkennen, Fragen stellen und Erfahrungen sammeln – genau darin liegt die Chance, als eine Art „KI-Native“ zukünftig selbstverständlich mit diesen Werkzeugen umgehen zu können.

Nach zwei intensiven Impulsen ging es zunächst in die verdiente Mittagspause, in der das Mensateam Wraps für die K1 vorbereitet hatte. Gegen 12:30 Uhr traf man sich ein letztes Mal im Musikraum zum dritten Vortrag des Tages.

Den Abschluss gestaltete Robin Rahn mit einem launigen, augenzwinkernden und mit dem ein oder anderen Meme versehenen Impuls zum Thema „Sprache im Wandel“. Ausgangspunkt war die alte Klage, dass angeblich jede neue Generation die Sprache verhunze und damit gleich den Niedergang der Kultur einleite. Bei näherer Betrachtung zeigte sich jedoch: Sprache hat sich immer verändert. Jede Epoche hatte ihre eigenen Abkürzungen, Vereinfachungen, Modewörter, Fehler, Provokationen und neuen Ausdrucksformen.

Besonders aktuell wurde der Vortrag dort, wo Künstliche Intelligenz als neuer Einflussfaktor auf Sprache in den Blick rückte. Denn KI verändert nicht nur, wie Texte entstehen, sondern auch, welche sprachlichen Fähigkeiten künftig an Bedeutung gewinnen. Wer heute eine KI nutzt, kann in kürzester Zeit formal korrekte, gut strukturierte und sprachlich saubere Texte erzeugen. Genau darin liegt aber auch die Herausforderung: Wenn immer mehr Texte auf ähnliche Weise entstehen, drohen sie glatter, austauschbarer und weniger eigenständig zu werden. Sprache wird dadurch nicht schlechter, aber sie verändert ihren Wert. Entscheidend ist dann nicht mehr nur, ob ein Text korrekt klingt, sondern ob er eine eigene Idee, Haltung und Originalität erkennen lässt.

Gerade deshalb gewinnen Zukunftskompetenzen wie Anpassungsfähigkeit, Kreativität, Kontextbewusstsein und eigenständiges Denken so sehr an Bedeutung. Oberflächliche Perfektion, schönes Design oder korrekt formulierte Texte verlieren ihre Alleinstellungskraft, wenn sie technisch jederzeit verfügbar sind und zum Standard werden. Originalität hingegen wird wertvoller. Wer sich künftig von der Masse abheben will, muss wieder stärker selbst denken, selbst gestalten und gelegentlich auch gegen den Strom schwimmen. Oder, etwas zugespitzt formuliert: Weniger KI ist schon jetzt manchmal mehr.

Zu einer weiteren großen Abschlussdiskussion ließ sich die K1 nach drei intensiven Beiträgen und bei weiterhin hochsommerlichen Temperaturen nicht mehr überreden. So endete der Zukunftstag mit vielen Impulsen, einigen offenen Fragen und dem verdienten Weg in den Feierabend.

Besonders hervorzuheben ist, dass die drei Beiträge sehr unterschiedliche Themen behandelten und dennoch deutlich miteinander verbunden waren. Selbststeuerung im digitalen Alltag, Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt und Sprache im technologischen Wandel – alle drei Perspektiven machten sichtbar, wie stark digitale Entwicklungen unser Denken, Arbeiten, Kommunizieren und Leben bereits heute prägen.

Für unsere K1 war der Zukunftstag damit mehr als ein Ersatzprogramm. Er war eine Einladung, sich mit genau den Fragen auseinanderzusetzen, die für den eigenen weiteren Weg zunehmend entscheidend werden: Wie gehe ich bewusst mit digitalen Technologien um? Welche Kompetenzen brauche ich in einer sich verändernden Arbeitswelt? Und wie bleibe ich eigenständig, kreativ und urteilsfähig in einer Zeit, in der vieles schneller, automatisierter und scheinbar einfacher wird?

Ein besonderer Dank gilt unseren Vortragenden, bei denen es alles andere als selbstverständlich ist, dass sie sich die Zeit genommen haben, unserer K1 etwas mit auf den weiteren Lebensweg zu geben.