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Politics firsthand

Politics firsthand

Internationale Begegnungen entfalten ihre größte Wirkung dort, wo sie den Dialog eröffnen. Genau diese Erfahrung machten unsere beiden Englisch-Leistungskurse, als sie Professor Jack Roche vom Fisher College in Boston an unserer Schule begrüßen durften. Der Professor für Business und Human Resources arbeitet im Rahmen einer Kooperation mit Professorin Julia Hansch, die sowohl in Mannheim als auch in Boston lehrt. Da sich unsere Leistungskurse derzeit intensiv mit den Vereinigten Staaten beschäftigen und sich im Unterricht unter anderem mit dem politischen System sowie aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandergesetzt hatten (siehe PGW Podcast Project: POTUS of PATUS), bot sich die Gelegenheit zu einem Austausch, der weit über den regulären Englischunterricht hinausging. 

Professor Roche nahm die Einladung gerne an. Ihm sei der Austausch mit jungen Menschen ein persönliches Anliegen, erklärte er zu Beginn. Gerade Schülerinnen und Schüler, die sich ihre eigene politische Haltung erarbeiten, verdienten Gesprächspartner, die bereit seien, Erfahrungen zu teilen und sich kritischen Fragen zu stellen.

Das gesamte Gespräch fand auf Englisch statt und zeigte eindrucksvoll, auf welch hohem sprachlichen Niveau sich unsere Schülerinnen und Schüler bewegen. Sie stellten differenzierte Fragen, griffen komplexe politische Zusammenhänge auf und reagierten flexibel auf spontane Antworten. Zugleich wurde deutlich, wie intensiv sich die Kurse bereits mit den politischen Institutionen der USA, den historischen Grundlagen der amerikanischen Demokratie und aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandergesetzt hatten. Sprache wurde an diesem Vormittag nicht geübt – sie wurde gelebt.

Professor Roche gab einen offenen, persönlichen Einblick in seine Sicht auf die Entwicklung seines Landes. Dabei machte er deutlich, dass sich seine politischen Überzeugungen in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hätten. Seine Einschätzungen formulierte er ausdrücklich als persönliche Position, geprägt durch seine Erfahrungen als Hochschullehrer und langjähriger Personalverantwortlicher. Besonders nachdenklich stimmten seine Aussagen zu politischer Führung und zur veränderten Bedeutung des „American Dream“.

Für unsere Schülerinnen und Schüler waren diese Einschätzungen keine Einladung, Positionen ungeprüft zu übernehmen, sondern Anlass zum Nachfragen, Einordnen und kritischen Hinterfragen. Immer wieder entstand ein echter Dialog, in dem Argumente abgewogen und Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wurden.

Besonders deutlich wurde dabei, dass politische Wirklichkeit selten so eindeutig ist, wie sie in Schlagzeilen erscheint. Gesellschaftliche Entwicklungen bestehen aus unterschiedlichen Erfahrungen, Hoffnungen und Sorgen. Wer ein anderes Land verstehen möchte, muss bereit sein zuzuhören, Fragen zu stellen und Widersprüche auszuhalten.

Als Schule verstehen wir Bildung nicht allein als Vermittlung von Fachwissen. Wir möchten junge Menschen dazu befähigen, sich in einer komplexen Welt zu orientieren, Perspektiven wahrzunehmen und Verantwortung für das eigene Denken zu übernehmen. Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Überzeugungen begründen, anderen respektvoll begegnen und auch unbequeme Fragen stellen. Solche Kompetenzen entstehen nicht nur aus Lehrbüchern, sondern vor allem dort, wo echte Begegnung möglich wird.

Vielen Dank an Frau Hansch für die Herstellung des Kontakts und an Herrn Kaup und Herrn Wenger für die Organisation und Vorbereitung auf diese Begegnung!