Was bedeutet eigentlich Courage? Viele denken dabei zunächst an Mut. Doch an unserem Privatgymnasium Weinheim verstehen wir darunter mehr. Courage bedeutet, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen, für Menschenwürde und Respekt einzustehen und auch dann Haltung zu zeigen, wenn eine Situation unangenehm wird. Oder, wie es der Ursprung des Wortes verrät: Courage leitet sich vom lateinischen „cor“ – dem Herzen – ab. Beherzt handeln heißt, mit Herz zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen. Genau deshalb trägt unser zweitägiges Training im Fach „Glück“ bewusst diesen Namen.
Dabei handelt es sich nicht um ein extern eingekauftes Programm. Das Courage-Training wurde am PGW konzipiert und wird kontinuierlich von uns weiterentwickelt. Die Inhalte wurden von unserem Team sorgfältig ausgewählt, aufeinander abgestimmt und speziell auf die Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler zugeschnitten. Dahinter steckt viel konzeptionelle Arbeit: Welche Themen beschäftigen Kinder in diesem Alter? Welche Methoden fördern nachhaltiges Lernen? Welche Übungen schaffen Erfahrungen, die im Alltag tatsächlich wirken? Aus diesen Überlegungen entstand Schritt für Schritt ein eigenes Curriculum, das Theorie und praktische Erfahrungen eng miteinander verbindet und regelmäßig angepasst wird.
Ebenso wichtig ist uns die Qualität der Durchführung. Deshalb werden die Lehrkräfte, die das Courage-Training begleiten, schulintern intensiv ausgebildet und regelmäßig weiterqualifiziert. Gemeinsam setzen sie sich mit den Inhalten, Methoden und Gesprächsführungen auseinander, erproben Übungen selbst und reflektieren typische Situationen aus dem Schulalltag. So stellen wir sicher, dass alle Klassen dieselben pädagogischen Ziele verfolgen und die Kinder von Lehrkräften begleitet werden, die nicht nur fachlich, sondern auch methodisch auf diese besondere Aufgabe vorbereitet sind. Das kostet Zeit – ist für uns aber eine Investition, die sich jeden Tag im Miteinander unserer Schulgemeinschaft auszahlt.
In diesem Schuljahr nahmen unsere drei sechsten Klassen im zweiten Halbjahr am Courage-Training teil. An zwei intensiven Tagen beschäftigten sich unsere Schülerinnen und Schüler mit Fragen, die im Schulalltag oft wichtiger sind als jede Klassenarbeit: Wie entstehen Vertrauen und Zusammenhalt? Wie gehe ich mit Konflikten um? Wie spreche ich Kritik an, ohne andere zu verletzen? Und wie gelingt es, auch in schwierigen Situationen respektvoll miteinander umzugehen?
Einen Schwerpunkt des Trainings bilden die Werte, die unser Zusammenleben prägen. Menschenwürde, Kinderrechte und demokratische Grundprinzipien stellen dabei keine abstrakten Begriffe dar, sondern dienen als Orientierung für ganz konkrete Situationen aus dem Schulalltag. Immer wieder stellen wir die Frage in den Raum, welchen Beitrag jede und jeder Einzelne zu einer starken Klassengemeinschaft leisten kann.
Wichtig ist hierbei natürlich die eigene Wahrnehmung. Unsere Schülerinnen und Schüler lernten, Gefühle bei sich selbst und anderen bewusster wahrzunehmen und diese klar zu benennen. Sie erfuhren, dass hinter Konflikten häufig unterschiedliche Bedürfnisse stehen und dass ein respektvolles Gespräch oft dort beginnt, wo wir zunächst aufmerksam zuhören, bevor wir urteilen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem konstruktiven Umgang mit Kritik. Gemeinsam entwickelten unsere Sechstklässler ein Verständnis dafür, dass Kritik notwendig sein kann, um als Klasse zusammenzuwachsen. Entscheidend ist die Art und Weise, wie sie formuliert wird. Im Courage-Training haben wir deshalb immer wieder deutlich gemacht: Kritik richtet sich an ein Verhalten – niemals an den Menschen selbst. Diese Unterscheidung verändert den Blick auf Konflikte und eröffnet Wege, Probleme anzusprechen, ohne das Gegenüber zu verletzen.
Mit den beiden Trainingstagen endet dieser Lernprozess jedoch nicht. Im Gegenteil: Im Unterrichtsfach „Glück“ griffen wir die Themen während des gesamten zweiten Schulhalbjahres immer wieder auf und vertieften sie nachhaltig. Hier erhielten unsere sechsten Klassen die Möglichkeit, zu üben, auszuprobieren und zu reflektieren. Unsere Schülerinnen und Schüler lösten gemeinsam kooperative Aufgaben, versetzten sich in Rollenspielen in unterschiedliche Situationen und überlegten anschließend, warum Zusammenarbeit gelingt, weshalb Missverständnisse entstehen oder wie sich Konflikte konstruktiv lösen lassen. Dabei stärkten sie nicht nur ihre Kommunikationsfähigkeit, sondern auch ihr Vertrauen in die eigene Wirksamkeit.
Gerade diese Verbindung aus intensivem Training und kontinuierlicher Begleitung macht das Courage-Konzept an unserer Schule aus. Haltungen entstehen nicht an zwei Projekttagen. Sie entwickeln sich Schritt für Schritt – durch gemeinsames Erleben, ehrliche Gespräche und regelmäßige Reflexion. Deshalb begleiten uns die Inhalte des Courage-Trainings weit über die eigentlichen Trainingstage hinaus.
Als Schule möchten wir unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur fachlich auf ihre Zukunft vorbereiten. Wir möchten sie darin stärken, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen, respektvoll mit anderen umzugehen und Konflikte mutig, aber besonnen anzugehen. Denn eine starke Klassengemeinschaft entsteht nicht zufällig. Sie wächst dort, wo Menschen einander zuhören, Unterschiede aushalten, Kritik als Chance verstehen und bereit sind, füreinander einzustehen.
Unsere sechsten Klassen haben sich mit großer Offenheit und bemerkenswertem Engagement auf diesen Weg eingelassen. Sie haben erlebt, dass Courage oft nicht in den großen Heldentaten steckt, sondern in den vielen kleinen Entscheidungen des Alltags: zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen, die eigene Meinung respektvoll zu vertreten und sich für ein gutes Miteinander einzusetzen. Genau dort beginnt eine Schulgemeinschaft, in der sich alle sicher fühlen und gerne lernen.

























