Manchmal braucht Schule eben mehr als Formeln, Vokabeln und Grammatik. Manchmal braucht sie eine Bühne.
Mit der Rückkehr zu G9 haben wir am PGW die zusätzliche Zeit ganz bewusst genutzt, um unser Bildungsangebot um kreative und persönlichkeitsbildende Fächer zu erweitern. Denn wir sind überzeugt: Schule soll nicht nur Wissen vermitteln, sondern junge Menschen dabei unterstützen, ihre Talente zu entdecken, Selbstvertrauen zu entwickeln und miteinander zu wachsen. Deshalb gehört seit dem vergangenen Schuljahr Darstellendes Spiel (DAS) fest zum Stundenplan unserer fünften Klassen – als derzeit einzige Schule der Region.
Wer jetzt an auswendig gelernte Theatertexte und schwere Vorhänge denkt, der dürfte sich in unseren Stunden wundern. Im DAS-Unterricht wird improvisiert, ausprobiert, gelacht, verworfen und neu begonnen. Es wird mit Mimik, Gestik und Stimme experimentiert, in völlig unterschiedliche Rollen geschlüpft und gemeinsam überlegt, wie aus einer Idee eine spannende Szene entstehen kann. Dass dabei manchmal auch ein Pirat mit einer Oma diskutiert oder Roboter philosophische Gespräche führen, gehört durchaus zum Konzept.
Neben aller Kreativität verfolgen wir dabei ein klares Ziel: Persönlichkeitsbildung. Wer auf einer Bühne steht, lernt, über den eigenen Schatten zu springen. Wer eine Szene entwickelt, muss zuhören, Kompromisse finden und anderen vertrauen. Wer gemeinsam probt, merkt schnell, dass eine gute Aufführung nur gelingt, wenn alle ihren Teil dazu beitragen. Ganz nebenbei wachsen so Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsfähigkeit und Zusammenhalt – Fähigkeiten, die weit über das Theater hinaus wichtig sind.
Als Ganztagsschule möchten wir unseren Schülerinnen und Schülern genau diese Erfahrungen ermöglichen. Lernen findet schließlich nicht nur am Schreibtisch statt. Manchmal entsteht der größte Lernerfolg mitten in einer Improvisation, beim gemeinsamen Lösen eines Problems oder in dem Moment, in dem sich ein zunächst schüchternes Kind plötzlich traut, vor einer Gruppe zu sprechen.
Grundlage des Unterrichts ist unser schuleigenes Curriculum, das Kreativität und Ausdruck ebenso in den Blick nimmt wie Kooperation, Rollenverständnis, Präsentationskompetenz und die Fähigkeit, sich selbst und andere wertschätzend zu reflektieren.
Den Höhepunkt des Schuljahres bildeten schließlich die Aufführungen der selbst entwickelten Szenen des „kleinsten Theaters der Welt“. Wochenlang hatten die Kinder in Teams Ideen für ihr „Theater im Schuhkarton“ gesammelt, gebastelt, geprobt, verändert und verfeinert. Entsprechend groß war die Aufregung – und noch größer der Stolz, als am Ende der verdiente Applaus erklang. Auf den Gesichtern war deutlich zu sehen: Hier hatten Kinder etwas geschafft, das sie sich zu Beginn des Schuljahres oft selbst noch nicht zugetraut hätten.
Und weil Kreativität, Mut und Teamgeist sich nur schwer in Ziffern pressen lassen, verzichten wir im Fach Darstellendes Spiel bewusst auf Noten. Stattdessen erhalten alle Schülerinnen und Schüler am Ende des Schuljahres ein Zertifikat über ihre Teilnahme und die erworbenen Kompetenzen. Denn manchmal sagt ein stolzes Lächeln nach einer gelungenen Aufführung eben mehr aus als jede Eins oder Zwei.







































